Juni 7, 2026In Forschung

Evidenz zur Anthroposophischen Medizin als System


Die Anthroposophische Medizin versteht sich als ein Whole Medical System, in dem nicht einzelne Maßnahmen isoliert betrachtet werden, sondern das Zusammenwirken von Arzneimitteln, Gesprächen, Therapien und Lebensgestaltung im Mittelpunkt steht.

Das System der evidenzbasierten Medizin von D. Sackett beruht auf 3 Säulen:

  1. Externe Evidenz, was den Wirksamkeitsbeleg durch (klinische) Studien erbringt
  2. Interne Evidenz, was die klinische Expertise und Erfahrung des Behandlers betrifft und
  3. Patientenpräferenz, was die individuellen Werte und Bedürfnisse des Pat. berücksichtigt.

Alle 3 Evidenzsäulen sind für die AM von großer bedeutung: Externe Evidenz aus klinischen Studien und Reviews wird ergänzt durch Versorgungsforschung und Registerdaten (sog. Real World Evidence), die den Alltag abbilden, sowie durch klinische Erfahrung und Langzeitbeobachtungen. Hinzu kommt die interne Evidenz durch Doppelqualifikation, wo neben der konventionellen Medizin jeweils zusätzlich eine Ausbildung von 1.200 Stunden in der AM erfolgt. Darüber hinaus werden in der AM qualitätssichernde Zertifizierungen vorgenommen (z.B. müssen die AM Kliniken sich alle 3 Jahre dem AnthroMed Zertifikation unterzeihen).

AM sieht die Patient:innen im Mittelpunkt ihrer Bemühungen, so dass die 3. Säule der Evidenz, die Patientenpräferenz mit Berücksichtigung der individuellen Werte und Bedürfnisse eine hohe Priorität besitzt.

Insgesamt zeigt sich eine breite, wenn auch methodisch heterogene Studienlage. Viele Untersuchungen weisen auf Verbesserungen von Symptomen, Lebensqualität, wie auch Lebensverlängerung hin, insbesondere bei chronischen Erkrankungen und in der integrativen Onkologie. Gleichzeitig besteht weiterer Bedarf an großen, hochwertigen Studien. Bewertungen des Gesamtsystems der AM, sog. Health Technology Assessments sind positiv und Grundlage der Verankerung der AM in der Basisversorgung der Schweiz.

Ein besonderer Stellenwert kommt praxisnahen und einzelfallbezogenen Ansätzen zu. Sie ermöglichen es, individuelle Verläufe und komplexe Therapiekombinationen zu erfassen, die sich nicht vollständig in standardisierten Designs abbilden lassen. So wird Forschung nicht nur als Prüfung einzelner Interventionen verstanden, sondern als Annäherung an das reale Behandlungsgeschehen.

Der Anspruch der anthroposophischen Forschung besteht darin, dem Menschen in seiner Vielschichtigkeit gerecht zu werden. Unterschiedliche Methoden werden dabei nicht gegeneinander gestellt, sondern bewusst verbunden. Mit dem Ziel, medizinische Erkenntnis so zu entwickeln, dass sie sowohl wissenschaftlichen Anforderungen entspricht als auch die individuelle Wirklichkeit von Krankheit und Heilung abbildet.

Stefan Schmidt-Troschke und Harald Matthes 07.06.2026
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