Evidenz zur Anthroposophischen Medizin als System
Evidenz zur Anthroposophischen Medizin als System
Die Anthroposophische Medizin versteht sich als ein Whole Medical System, in dem nicht einzelne Maßnahmen isoliert betrachtet werden, sondern das Zusammenwirken von Arzneimitteln, Gesprächen, Therapien und Lebensgestaltung im Mittelpunkt steht.
Das System der evidenzbasierten Medizin von D. Sackett beruht auf 3 Säulen:
- Externe Evidenz, was den Wirksamkeitsbeleg durch (klinische) Studien erbringt
- Interne Evidenz, was die klinische Expertise und Erfahrung des Behandlers betrifft und
- Patientenpräferenz, was die individuellen Werte und Bedürfnisse des Pat. berücksichtigt.
Alle 3 Evidenzsäulen sind für die AM von großer bedeutung: Externe Evidenz aus klinischen Studien und Reviews wird ergänzt durch Versorgungsforschung und Registerdaten (sog. Real World Evidence), die den Alltag abbilden, sowie durch klinische Erfahrung und Langzeitbeobachtungen. Hinzu kommt die interne Evidenz durch Doppelqualifikation, wo neben der konventionellen Medizin jeweils zusätzlich eine Ausbildung von 1.200 Stunden in der AM erfolgt. Darüber hinaus werden in der AM qualitätssichernde Zertifizierungen vorgenommen (z.B. müssen die AM Kliniken sich alle 3 Jahre dem AnthroMed Zertifikation unterzeihen).
AM sieht die Patient:innen im Mittelpunkt ihrer Bemühungen, so dass die 3. Säule der Evidenz, die Patientenpräferenz mit Berücksichtigung der individuellen Werte und Bedürfnisse eine hohe Priorität besitzt.

Insgesamt zeigt sich eine breite, wenn auch methodisch heterogene Studienlage. Viele Untersuchungen weisen auf Verbesserungen von Symptomen, Lebensqualität, wie auch Lebensverlängerung hin, insbesondere bei chronischen Erkrankungen und in der integrativen Onkologie. Gleichzeitig besteht weiterer Bedarf an großen, hochwertigen Studien. Bewertungen des Gesamtsystems der AM, sog. Health Technology Assessments sind positiv und Grundlage der Verankerung der AM in der Basisversorgung der Schweiz.
Ein besonderer Stellenwert kommt praxisnahen und einzelfallbezogenen Ansätzen zu. Sie ermöglichen es, individuelle Verläufe und komplexe Therapiekombinationen zu erfassen, die sich nicht vollständig in standardisierten Designs abbilden lassen. So wird Forschung nicht nur als Prüfung einzelner Interventionen verstanden, sondern als Annäherung an das reale Behandlungsgeschehen.
Der Anspruch der anthroposophischen Forschung besteht darin, dem Menschen in seiner Vielschichtigkeit gerecht zu werden. Unterschiedliche Methoden werden dabei nicht gegeneinander gestellt, sondern bewusst verbunden. Mit dem Ziel, medizinische Erkenntnis so zu entwickeln, dass sie sowohl wissenschaftlichen Anforderungen entspricht als auch die individuelle Wirklichkeit von Krankheit und Heilung abbildet.
Stefan Schmidt-Troschke und Harald Matthes 07.06.2026
In Kooperation mit:

Wenn Kunst zur Therapie wird: Wie kreatives Gestalten bei Krankheit helfen kann
Wenn Kunst zur Therapie wird: Wie kreatives Gestalten bei Krankheit helfen kann
In der anthroposophischen Kunsttherapie werden künstlerische Mittel gezielt eingesetzt, um therapeutische Prozesse anzustoßen. Dabei geht es sowohl um den Ausdruck innerer Erlebnisse als auch um die Wirkung, die Farben, Formen oder Materialien auf den Menschen haben. Die Therapie kann einzeln oder im Zusammenspiel mit anderen Anwendungen der anthroposophischen Medizin stattfinden und wird in der Regel ärztlich verordnet.
Dass diese Form der Therapie wirksam sein kann, zeigt unter anderem eine wissenschaftliche Studie aus den Jahren 2017 bis 2018. In dieser Untersuchung wurden Frauen mit verschiedenen Angststörungen über einen Zeitraum von drei Monaten kunsttherapeutisch begleitet. In insgesamt 10 bis 12 Sitzungen arbeiteten sie mit individuell abgestimmten Übungen aus Malen, Zeichnen und plastischem Gestalten mit Ton. Das Ergebnis: Die Teilnehmerinnen berichteten von einer deutlich verbesserten Lebensqualität und konnten ihre Gefühle nach der Therapie besser regulieren. Besonders bemerkenswert ist, dass diese positiven Effekte auch drei Monate nach Abschluss der Therapie noch stabil nachweisbar waren.

Doch Kunsttherapie wirkt nicht nur bei psychischen Erkrankungen. Auch bei körperlichen Beschwerden, etwa rheumatischen Erkrankungen, kann sie Teil eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts sein. Eine Studie mit 129 Patient:innen zeigte, dass sich sowohl körperliche als auch psychische Symptome im Verlauf von zwölf Monaten deutlich verbesserten. Gleichzeitig waren die Teilnehmenden sehr zufrieden mit der Behandlung. Viele konnten sogar auf belastendere konventionelle Therapien wie bestimmte Schmerz- oder Entzündungsmedikamente weitgehend verzichten. Die Kunsttherapie war dabei ein Bestandteil eines umfassenden Ansatzes, der unter anderem auch Arzneimittel, äußere Anwendungen wie Massagen sowie Bewegungs- und Ernährungstherapien einschloss.
Wie genau Kunsttherapie wirkt, lässt sich besonders anschaulich an den einzelnen künstlerischen Methoden erkennen. Beim Malen mit fließenden Aquarellfarben steht für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen oft das Erleben von Bewegung und Veränderung im Vordergrund, ein Gegenpol zu den körperlichen Empfindungen von Verhärtung und Einschränkung. Der kreative Prozess kann dabei helfen, neue innere Beweglichkeit zu entwickeln und Spannungen zu lösen. Ähnlich wirkt das plastische Gestalten mit Materialien wie Ton oder Wachs. Hier wird nicht nur mit den Händen gearbeitet – auch körperliche Prozesse können angeregt werden, etwa im Bindegewebe, was sich positiv auf die Gelenke auswirken kann. Gleichzeitig eröffnet das Gestalten die Möglichkeit, sich mit der eigenen Lebenssituation auseinanderzusetzen und blockierende Einflüsse zu klären.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die therapeutische Sprachgestaltung. Durch gezielte Übungen mit Stimme, Atem und Bewegung wird hier die Verbindung zwischen körperlichem Ausdruck und seelischem Erleben gestärkt. Rhythmisches Sprechen, bewusstes Atmen und körperliche Bewegung können dabei helfen, innere Spannungen zu lösen, Wärme zu erzeugen und die eigene Präsenz zu stärken.
Insgesamt zeigt sich: Kunsttherapie ist weit mehr als kreatives Arbeiten. Sie bietet einen Zugang, um körperliche und seelische Prozesse miteinander zu verbinden und aktiv zu beeinflussen. Gerade in der Kombination mit anderen therapeutischen Ansätzen kann sie dazu beitragen, den Menschen in seiner Gesamtheit zu stärken – und neue Wege im Umgang mit Krankheit zu eröffnen.
Maja Thiesen 02.06.2026
In Kooperation mit:
